Transforum - der Blog

Gipfeltreffen

Autor: Rosemarie Stresemann, 27. März 2007, 9:14

Am Wochenende fanden in Berlin zwei verschiedene „Gipfeltreffen“ statt. Beim politischen Gipfeltreffen kamen 27 Staatsoberhäupter Europas zur 50-Jahrfeier der Römischen Verträge zusammen. Das zweite „Gipfeltreffen“ war als geistliche Unterstützung des ersten gedacht. Am Samstag, den 24.3., versammelten sich zwischen 12.00 und 24.00 Uhr Christen aus verschiedenen Berliner Gemeinden und darüber hinaus, um Jesus Christus als Herrn und Retter Europas zu ehren. In einem zweistündigen Blockrhythmus wurde viel Zeit darauf verwendet, Jesus anzubeten, es gab aber auch immer eine längere Zeit der Fürbitte, in der für verschiedene Aspekten, die Europa betrafen, gebetet wurde.

Gipfeltreffen Shakanah Glorious Choir
Worship mit dem Shakanah Glorious Choir

Gipfeltreffen Parzany
Ulrich Parzany moderiert einen Gebetsblock

Initiiert wurde der „Lobpreisgipfel“ von „Gemeinsam für Berlin“. Berliner Christen unterstützten damit auch ein Treffen europäischer Gebetsleiter, die sich zur selben Zeit versammelt hatten, um ganz gezielt für einige Anliegen des EU-Gipfels zu beten. Gemeinsam wurde besonders für das Anliegen gebetet, dass Frau Angela Merkel den Mut finden würde, sich auch außerhalb des schon verabredeten Textes der „Berliner Erklärung“ zu den jüdisch-christlichen Wurzeln Europas zu bekennen. Diese Gebete wurden deutlicher beantwortet, als der eine oder andere Beter geglaubt hatte. Hier ein Auszug aus der Rede Merkels:

Wie können wir das bewahren, stärken, vertiefen - und das mindestens für die nächsten 50 Jahre? Ich meine, indem wir uns auf die stärkste Kraft des Menschen konzentrieren, auf die Kraft der Freiheit, auf die Freiheit in allen Ausprägungen, die Freiheit, die eigene Meinung öffentlich zu sagen, auch wenn dies andere stört, die Freiheit, zu glauben und nicht zu glauben, die Freiheit des unternehmerischen Handelns, die Freiheit des Künstlers, sein Werk nach seinen Vorstellungen zu gestalten, die Freiheit des Einzelnen in seiner Verantwortung für das große Ganze.

Indem wir auf die Kraft der Freiheit setzen, setzen wir auf den Menschen. Er steht im Mittelpunkt. Seine Würde ist unantastbar. Ich darf persönlich hinzufügen: Für mich ergibt sich dieses Verständnis vom Menschen ganz wesentlich aus den jüdisch-christlichen Wurzeln Europas.

Für Sonntag, den 25. März, war eine große Demonstration von linken EU-Gegnern angekündigt worden, zu der 5.000 bis 10.000 Teilnehmer erwartet wurden. Im Vorfeld hatte es Befürchtungen gegeben, dass es bei dieser Demonstrationen zu größeren Ausschreitungen kommen könnte. Deswegen hatte sich auch ein Team von Beterinnen und Betern verabredet, vor Ort auf der Straße und während der Demonstration für einen friedlichen Verlauf zu beten. Es gibt hier in Berlin ein gut eingespieltes Team von insgesamt ca. 20 Beterinnen und Betern, die sich zu besonderen Gelegenheiten treffen, um in Berlin auf der Straße zu beten. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben sie gelehrt, dass es wichtig sein kann, die „Gebetskammer“ zu verlassen, um auf der Straße sich zum Gebet von dem inspirieren zu lassen, was man vor Augen sieht und mit dem Herzen wahrnimmt. Das führt zu einem ganz anderen Beten, bei dem man nicht mehr die Augen zumachen kann, sondern sie weit öffnen muss. Bei Demonstrationen, bei denen die Polizei im Vorfeld Gewaltsausschreitungen befürchtet, hat es sich bewährt, schon ein oder zwei Tage vorher die gesamte Demonstrationsroute im Gebet abzulaufen und für einen friedlichen Verlauf zu beten.

Das haben wir auch an diesem Wochenende wieder getan. Ganz überraschend kamen dann gar nicht 5.000 oder 10.000 Teilnehmer, sondern nur ca. 1000. Kleinere Randaleversuche konnten von der Polizei sofort unterbunden werden.

(Ein weiterer Bericht von Andi Wolf steht hier.)

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Berlin, Gebet, Veranstaltungen

The Rise of Christianity

Autor: Harald Sommerfeld, 26. März 2007, 6:58

Marlin (Vineyard Heidelberg) beschreibt Einsichten und Eindrücke beim Lesen von Rodney Stark: The Rise of Christianity.

Teil 1, 2, 3, 4

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Buchbesprechung, Geschichte des Christentums

Nach dem Christentum ist vor …

Autor: Harald Sommerfeld, 21. März 2007, 9:29

Wir leben in einem nachchristlichen Europa. Ist diese Krise eine Krankheit zum Tode oder eine Chance zur Genesung? Reinhold Scharnowski hat eine ausgezeichnete Zusammenfassung des Buches Post-christendom: Church and Mission in a Strange New World von Stuart Murray geschrieben.

Eigentlich spüren es viele, aber kaum jemand wagt es auszudrücken. Der englische Autor Stuart Murray macht es in seinem Buch Post Christendom (Nach der Christenheit, 2004) in aller Deutlichkeit klar: die Zeit des Christentums in Westeuropa geht ihrem Ende entgegen, ja ist eigentlich bereits vorbei. Was meint er damit?

Nicht die Zeit des Christentums als Weltreligion, auch nicht die Zeit der Gemeinde oder der missionarischen Chancen geht zu Ende (ganz im Gegenteil). Es geht beim “Ende des Christentums” um die gut 1700jährige Epoche der offiziellen christlichen Kirche als kulturprägende Kraft in den meisten westeuropäischen Ländern. Es geht um die konstantinische Verbindung von Kirche, Staat und Gesellschaft - und um den privilegierten Status, den das Christentum in unseren Ländern innehatte …

Der vollständige Artikel von Reinhold (Am Ende der Christenheit) steht hier.

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Buchbesprechung, Paradigmen

Paradigmenwechsel (Teil 2)

Autor: Eric Swanson, 20. März 2007, 12:17

6. Von einer Gemeinschaft zu einer funktionsfähigen Einheit

Es gibt gewichtige Argumente dafür, dass es in einer Stadt oder einem Landkreis eigentlich nur eine Kirche/Gemeinde (bestehend aus allen Gläubigen) gibt, die sich an verschiedenen Versammlungsorten überall in der Stadt trifft … Einzig und allein die Einheit, die sich um die Vision herum bildet, eine Stadt transformiert zu sehen, ist stark genug, um Pastoren, Kirchen und Gemeinden verschiedener Denominationen zusammenzuhalten … Kirchen und Gemeinden um ein gemeinsames Ziel herum zu vereinen, ist besser als den Versuch zu unternehmen, eine Zusammenarbeit der Kirchen/Gemeinden um ein Projekt herum zustande zu bringen. Wir richten uns darauf aus, „in Einheit dieselben Ziele für unsere Stadt, unseren Landkreis zu verfolgen, wobei jeder Teilnehmer für sich selbst bestimmt, welche Rolle er dabei spielen will, welche Aufgabe er übernehmen will.”

7. Die Stadt segnen und für sie beten, anstatt sie zu verurteilen

Viel zu lange schon haben wir als Kirche/Gemeinde unsern Städten gegenüber eine feindliche Haltung eingenommen … Vielleicht ist es Zeit, dass wir anfangen die Stadt zu segnen, indem wir die segnen, die sich selbst an die Stadt hingegeben haben. Die Pastoren unserer Gemeinschaft in Colorado haben damit begonnen, Beamte der Stadt und einflussreiche Persönlichkeiten zu ihrem monatlichen gemeinsamen Mittagessen einzuladen. Der Bürgermeister, der Polizeichef, der Bezirksstaatsanwalt, der leitenden Redakteur der Tageszeitung, der Universitätspräsident, sie alle haben zu dieser Gruppe von Pastoren gesprochen. Nachdem diese Gäste ihre Rede vor der Versammlung beendet hatten, erhielten sie Gebet - die Pastoren dankten Gott für diese Leute und baten Ihn, diese im öffentlichen Dienst der Stadt Beschäftigten zu segnen (1. Tim. 2,14).

8. Nicht länger der Pastor einer Gemeinde, sondern der Pastor eines Bezirks

Ein Gemeindeverband besteht aus Menschen, die die Ortsgemeinde in einer bestimmten Stadt besuchen. Der Pastor geht davon aus, dass diese Gemeinde die Herde ist, die er taufen, verheiraten und begraben muss. Sie beansprucht seine Zeit und Energie. Es ist jedoch eine andere Sache, sich in einem Pfarrbezirk zu befinden. Er unterscheidet sich dadurch, dass er einen geographischen Verantwortungsbereich darstellt. Eine Gemeinde ist eine Unterabteilung eines Pfarrbezirks. Worin genau also besteht der Unterschied? In einem Pfarrbezirk zu sein, gewährt einem das gottgegebene Recht, jedem in der Stadt zu dienen, egal ob er Teil der Gemeinde ist, oder nicht.

9. Vom Hörensagen und von der Spekulation zu verlässlicher Information

Es waren zwei Informationen, die die Richtung von Nehemias Leben derartig veränderten, dass daraus die Transformation einer Stadt resultierte. In Nehemia 1 erfuhr Nehemia, dass die Mauern und Tore Jerusalems in Trümmern lagen und ihre Bewohner unter großer Not litten. Diese beiden präzisen Informationseinheiten waren der Katalysator für Nehemias Gebete und Pläne, eine in Trümmern liegende Mauer und ein zerschlagenes und gedemütigtes Volk wieder herzustellen. Seine Last, die Stadt zu transformieren, resultierte aus einer präzisen Information. Genauso brauchen auch wir zutreffende Informationen über die tatsächlichen Nöte und Bedürfnisse unserer Stadt oder unseres Landkreises und ebenso über die Mittel, die uns zur Verfügung stehen, um diesen Nöten und Bedürfnissen zu begegnen.

Im Jahr 1994 startete der 21 Jahre alte Pastor Matthew Barnett das Los Angeles „Dream Center“ (Traumzentrum), indem er seine nähere Umgebung durchstreifte, auf der Suche nach Nöten und Bedürfnissen, um die sich niemand kümmerte. Heute hat das Dream Center, „die Kirche, die niemals schläft“, 50 Stadtquadrate adoptiert (2100 Wohnungen und Häuser), denen sie mit einer Anzahl von 200 ehrenamtlichen Mitarbeitern dient. In seinem Franziskanischen Krankenhauscampus werden 400 Menschen beherbergt, die an einem Rehabilitations- und Jüngerschaftsprogramm teilnehmen und mehr als 25.000 weitere Menschen werden pro Woche verköstigt. Es unterhält einen kostenlosen, 24 Stunden geöffneten, Klinikbetrieb, eine mobile medizinische Versorgungseinheit und Dutzende von effektiven weiteren Dienstgruppen, die die Nöte und Bedürfnisse aufspüren und ihnen abhelfen.

10. Vom Lehrer zum Lernenden

John DiIulio, ein früherer Direktor der “Abteilung für glaubensbezogene und städtische Initiativen” im Weißen Haus, führt eine Studie von mehr als 400 der auf 2000 geschätzten Gemeinden in Philadelphia an, die sich aktiv für ihre Stadt einsetzen:

  • Mehr als 90% der in der Stadt ansässigen Gemeinden bieten soziale Dienste an, von Kindergärten und Vorschulen bis zu Gefängnisdiensten, von Lebensmittelausgaben bis zu Krankenhäusern, von Programmen für Analphabeten, um Lesen und Schreiben zu lernen, bis zu Tagesstätten usw.

Die Kirchen und Gemeinden … [an anderen Orten] müssen von diesen innovativen Leitern und Diensten noch eine Menge lernen.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

  • Mit welchen Paradigmen können Sie sich sofort und leicht identifizieren? Welche Prinzipien der Ausführungen sprechen Sie am stärksten an?
  • Wie würden Sie die Frage beantworten: Welchen Einfluss hat Ihre Gemeinde gegenwärtig auf ihre Stadt?
  • Auf welche natürliche Weise könnte so ein Brückenbau hinein in Ihre Stadt geschehen? Welche Wege würden sich anbieten?
  • Wo gibt es „niedrig hängende“ Früchte, leicht erreichbar für ihre Kirche/Gemeinde?
  • Wo befindet sich der erste (oder nächste) Zugangspunkt hinein in Ihre Stadt?
  • Was sind die internen/externen Barrieren, die den Zugang zum Leben Ihrer Stadt versperren?
  • Welche Sozialdienste wären natürliche „Partnerdienste“ für Ihre Kirche/Gemeinde?
  • Auf welche Weise könnten sie Ihre Stadt „segnen“?

Der vollständige Text mit weiteren Materialhinweisen findet sich hier.

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City-Reaching, Paradigmen, Vision

Paradigmenwechsel (Teil 1)

Autor: Eric Swanson, 15. März 2007, 10:59

Eric Swanson ist Freund und Inspirator von Gemeinsam für Berlin. Er lebt in den USA und leitet die Leadership Community for Externally Focused Churches (ein Netzwerk “außenorientierter” Gemeinden). In seinem Artikel Zehn Paradigmen, die sich verändern (müssen), wenn wir unsere Städte und Bezirke transformiert sehen wollen beschreibt er den gegenwärtigen Mentalitätswandel eines wachsenden Teils des Leibes Christi. Es folgen einige zusammenfassende Auszüge (der ausführliche Text findet sich hier).

1. Vom Mauerbau zum Brückenbau

Der erste Paradigmenwechsel bezieht sich darauf, wie wir uns als Gemeinde/Kirche in Bezug auf unsere Städte und Kommunen sehen. Werden wir uns weiterhin aus ihnen heraushalten und die Menschen zu uns einladen, oder werden wir uns auf unsere Städte und Kommunen einlassen, mit der Absicht, Veränderungen einzuleiten? Es stimmt zwar, dass die Gemeinde/Kirche dazu berufen ist, sich in Bezug auf ihren Lebensstil abzuheben, doch sie wurde nie berufen, sich von den Leuten, die sie beeinflussen möchte, zu isolieren.

2. Vom Zählen der Besucher zur Beurteilung des Einflusses

In unserer postmodernen Welt sind die meisten Menschen weder von der Größe einer Kirche/Gemeinde beeindruckt noch von ihrer Verpflichtung an die „Wahrheit“. Und doch fesseln geistliche Dienste, die auf die Transformation ihrer Städte ausgerichtet sind, von den Titelseiten des TIME Magazins bis hin zum Wall Street Journal die Aufmerksamkeit …

Die Frage „Wie groß ist eure Kirche?“ sollte durch die Frage ersetzt werden „Wie groß ist der Einfluss, den ihr auf eure Stadt habt?“ Jede andere Bezugsgröße ist interessant, aber nicht relevant. Wir sollten uns weigern, uns von bloßen Zahlen beeindruckt zu lassen. Es gibt viele Wege, sich in der Stadt, in einem Stadtviertel zu engagieren und Einfluss auszuüben. Die einzig „schlechte“ Art, sich in der Stadt einzusetzen, ist, sich überhaupt nicht einzusetzen!

3. Anstatt die Heiligen zum Gottesdienstbesuch zu motivieren, diese Heiligen zum Dienst ermächtigen

In der typischen Gemeinde werden Laien gebeten, in fünf oder sechs Bereichen zu dienen:

  • Kinderdienst
  • Säuglingsbetreuung
  • Bibelstunden- oder Hauskreisleitung
  • Chor
  • Ordner- oder Begrüßungsteam
  • Mitwirkung in einem Ausschuss oder Verwaltungsgremium

Kein Wunder also, dass die Pastoren sich darüber beklagen, dass sich nur 20% der Gemeindemitglieder „aktiv“ beteiligen. Könnte es sein, dass die Gelegenheiten zu dienen nicht breit genug angelegt sind, damit die Menschen in der Kirche/Gemeinde ihre Tatkraft und Leidenschaft einsetzen können? Robert Lewis stellte fest, dass die Menschen, die neu in seine Kirche kamen, etwa 4-5 Jahre lang begeistert waren … Er beobachtete aber, dass die Leute sich nach ca. fünf Jahren anfangen, in der Gemeinde zu langweilen, wenn sie nicht in irgendeinem Dienst an andern beteiligt sind. Erst als die Gemeinde damit begann, sich in ihrer Stadt praktisch einzubringen, fanden die Gemeindeglieder den Raum, in dem sie sich betätigen konnten, und wuchsen geistlich weiter.

4. Von “diene uns” zu „wir dienen“ - von der Ausrichtung nach innen zur Ausrichtung in die Welt.

Marion Patillo ist leitende Direktorin einer Arbeit in Dallas, die den Namen „Metro-Link“ trägt. Wie dieser Name schon andeutet, fungiert Metro-Link als Bindeglied zwischen den freiwilligen Mitarbeitern von etwa 40 Kirchen und 27 Wohnblöcken in Süd-Dallas. Marion stellte fest, dass es zu der Zeit, als sie mit Metro-Link begann, 955 Kirchen und Gemeinden in Süd-Dallas gab, und doch war die Gegend durchdrungen von Kriminalität, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit und Prostitution. Was war der Grund? Ganz sicher lag es nicht an einem Mangel an Kirchen/Gemeinden. Das Problem bestand darin, dass die meisten Kirchen und Gemeinden nicht damit beschäftigt waren, ihrer Stadt zu dienen.

Mary Francis Boley war die Leiterin der Frauengruppe der First Baptist Church in Peachtree City, Georgia. Frauen aus der Metropole Atlanta trafen sich dort normalerweise jede Woche zum Kaffee und einem Bibelstudium. Dieser Dienst machte einen drastischen Schritt nach vorne, als Mary Francis beschloss, dass sich keine Bibelstudiengruppe mehr treffen konnte, es sei denn, sie integrierte irgendeine Form des Dienens in der Stadt.

5. Von einer Verdopplung der sozialen Dienstleistungen und Dienste zu Partnerschaften mit schon existierenden Dienstleistungs- und Dienstangeboten.

Nahezu jede Stadt und jeder Landkreis hat eine Anzahl an sozialen Dienstleistungsagenturen, die eine moralisch positive Einstellung haben und geistlich eine neutrale Haltung einnehmen und sich verausgaben, um den Nöten und Bedürfnissen der Menschen zu begegnen, die zu wenig Hilfe bekommen und minderbemittelt sind. Solche Organisationen umfassen örtliche Essensausgaben, Obdachlosenheime, Notunterkünfte für Familien, Frauenhäuser für misshandelte Frauen usw. Daneben gibt es Kirchen- und Gemeindedienste, sowie gemeindeübergreifende Dienste, die effektiv einer speziellen Zielgruppe dienen (der Geschäftswelt, Jugend, Kollegestudenten usw.) Warum nicht, anstatt einen neuen Dienst zu beginnen, Partnerschaften mit schon existierenden Gruppen bilden, als Partnerdienste einer örtlichen Gemeinde? Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass Menschen aus der betreffenden Gemeinde schon in einigen dieser Organisationen engagiert sind. Warum nicht die gegenwärtige “städtische Energie nutzen” und „Synergie“ schaffen?

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City-Reaching, Paradigmen, Vision

Das Bewusstsein einer Gemeinde

Autor: Harald Sommerfeld, 8. März 2007, 14:20

Stell dir vor, du gehst in eine dir unbekannte Gemeinde (Kirche, Freikirche, Hauskirche …) und bittest die Leute um eine spontane Antwort auf folgende Frage: “Welcher größeren Gemeinschaft fühlt ihr euch am meisten zugehörig?” Die Antwort auf diese Frage ist aufschlussreich.

Vielleicht lautet die Antwort: “Keiner. Wir sind eine unabhängige Gemeinde.” Dann liegt ein autarkes Bewusstsein vor. Gemeinden mit einem autarken Bewusstsein sind sich selbst genug und leben für sich selbst. Das schließt nicht aus, dass zu ihrem Programm außenorientierte Aktivitäten gehören. Aber diese gleichen einem Ausfall aus der eigenen (Gemeinde)burg, in die man sich anschließend wieder zurückzieht. Man mag “Fremde” mit dem Evangelium erreichen wollen, aber dann erwartet man, dass sie Mitglieder der eigenen Gruppe werden.

In anderen Gemeinden antwortet man: “Unserer Denomination (Bewegung, Netzwerk, Verband, Kirche …).” Das spricht für ein konfessionelles Bewusstsein. Gemeinden mit einem konfessionellen Bewusstsein suchen übergemeindliche Kontakte vor allem innerhalb ihrer speziellen Gruppierung. Sie fühlen sich zu Christen der gleichen geistlichen Blutgruppe hingezogen. Gleiche Gemeindekultur, gleicher Frömmigkeitsstil, gleiche theologische Schwerpunkte, gemeinsame Entstehungsgeschichte begründen eine besondere Zusammengehörigkeit. Solche Gemeinden verwenden viel Zeit, Kraft, Geld und Fahrkilometer in Aktivitäten und Treffen, bei denen man unter seinesgleichen ist.

Eine dritte mögliche Antwort lautet: “Dem Leib Christi in unserer Stadt (Stadtteil, Region …).” Hier gibt es zwei Varianten. Liegt die Betonung auf der Einheit des Leibes Christi, ist ein ökumenisches Bewusstsein festzustellen. Gemeinden mit einem ökumenischen Bewusstsein suchen sehr viel Kontakt zu anderen Christen ihrer geographischen Umgebung. Sie organsieren unterschiedliche Veranstaltungen, in denen man sich begegnen oder einen Dialog führen kann, und schaffen übergemeindliche Strukturen. In manchen Fällen haben sie “die ganze Kirche Jesus Christi” im Auge, in anderen Fällen lässt man bestimmte Großkirchen (die z.B. unter “Liberalismusverdacht” stehen) oder bestimmte Freikirchen (die z.B. unter “Sektenverdacht” stehen) außen vor. Wie weit die Einheit auch immer gefasst wird - diese Einheit ist das Ziel.

Liegt bei dieser Antwort die Betonung jedoch auf der Stadt (Stadtteil, Region …) und ist die Einheit des Leibes Christi nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum eigentlichen Zweck, nämlich den Ort zu erreichen oder zu verändern, kann man von einem transformatorischen Bewusstsein sprechen. Gemeinden mit einem transformatorischen Bewusstsein zitieren gern Johannes 17,23: “So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, daß du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich” (Einheitsübersetzung). Wenn sie die Christen ihrer Umgebung sammeln, dann zu gemeinsamem Gebet für die Stadt, gemeinsamen evangelistischen Einsätzen oder gemeinsamen Resolutionen und Kundgebungen.

Vielleicht bekommt man in einer Gemeinde auch diese Antwort: “Die größere Einheit, zu der wir uns vor allem zugehörig fühlen, ist unsere Stadt (Stadtteil, Region …). Wir sind Teil des kommunalen Lebens unseres Ortes.” Solche Gemeinden haben ein missionales Bewusstsein.

Eine Gemeinde mit einem missionalen Bewusstsein wird in allem, was sie tut, von dem Bewusstsein bestimmt, Teil ihrer lokalen Community zu sein, für die sie existiert, lebt und arbeitet. Dieses Bewusstsein bringt viel mehr hervor als “missionarische” Aktivitäten. Solch eine Gemeinde beteiligt sich am gesellschaftlichen Leben, dient Menschen in allen ihren Lebensbereichen und ermutigt ihre Mitglieder, sich in Elternbeiräten, Parteien, Bürgerinitiativen usw. zu engagieren. Sie sieht solches Engagement genauso als “Mitarbeit” an wie übliche gemeindliche Aktivitäten - und segnet und sendet ihre Leute dazu genauso aus.

Ob dieses missionale Bewusstsein schon wirksam geworden ist, lässt sich durch eine Gegenprobe ermitteln. Man frage in Behörden, sozialen Einrichtungen oder bei kundigen Bürgern nach: “Welche Gruppen fördern besonders das Gemeinwohl ihres Ortes?” Würde auch die betreffende Gemeinde genannt, hätte ihr missionales Bewusstsein bereits einen wirksamen missionalen Lebensstil hervorgebracht.

Wie für die klassischen Temperamente gilt auch für die Bewusstseinsformen einer Gemeinde, dass sie kaum in Reinkultur vorkommen (sollen), sondern in “Mischungen”. Meist wird eine der genannten Bewusstseinsformen im Vordergrund stehen, aber Anteile der anderen werden auch festzustellen sein. Vielleicht wäre es aufschlussreich, sich das “Mischungsverhältnis” für die eigene Gemeinde zu veranschaulichen, indem man 10 Punkte auf die fünf genannten Bewusstseinsformen verteilt und das Ergebnis graphisch darstellt. Mein eigenes Ergebnis sieht so aus.

Quelle: Hasos Tafel

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Gemeinde

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Gemeinsam für Berlin e.V. ist eine Initiative im Großraum Berlin mit dem Ziel, alle gesellschaftlichen Bereiche der Stadt mit dem Evangelium von Jesus Christus zu erreichen.

Wie auf dem Transforum Berlin, unserer in unregelmäßigen Abständen stattfindenden Konferenz für City-Reaching, geht es auf diesem Blog um das Thema "Das Reich Gottes und unsere Städte".