Autor: Kerstin Hack, 21. Dezember 2007, 10:46
Schön, wenn andere die Denk- und Analysearbeit für einen machen. Im Berlin Magazin “Stadtkind” schreibt Laurence Thio unter der Überschrift “Gott im Hörsaal” über christliche Gruppen an der Uni. Neutral. Sachlich. Beobachtend. Ein Ergebnis seiner Beobachtungen ist: “Wenn es schon an der Uni schwierig ist, einen Überblick über die Gruppen zu bekommen, ist es das im Internet erst recht. Auf vielen Internetseiten wird einfach nicht klar, welche Studentengemeinde wofür steht.” Das ist eine deutliche Aufforderung, die eigenen Angebote im Internet auch für Außenstehende klarer zu formulieren. Das gilt wohl nicht nur für Studentengruppen, sondern für christliche Angebote allgemein.
Evangelisation
Autor: Rosemarie Stresemann, 18. Dezember 2007, 18:08
Eine Stadt wird auf verschiedenen Wegen geprägt. Um eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, in welchen Bereichen das Reich Gottes sich konkret ausbreiten kann, arbeiten wir mit der Vorstellung von Toren. Tore waren früher in einer Stadtmauer eingelassen. Die Mauer beschützte die Stadt und die Zugänge wurden bewacht. Tore sind also Öffnungen, durch die etwas in einen geschützten Raum eindringt. Wenn man für eine Stadt schützend beten will, ist es daher hilfreich, mit der Vorstellung von Toren zu arbeiten. Ich stelle hier 9 Tore vor: Wie könnte eine Gesellschaft aussehen, wenn die prägenden Einflüsse in diesen Bereichen von Christen und Gottes Wort kämen? Wenn das Reich Gottes sich ausbreiten soll, braucht es konkrete Veränderungen in diesen Bereichen.
Ehen und Familien (1. Mo. 1, 27-28a)
Ehe und Familie war Gottes Idee. Diese Idee wird aber durch andere Lebensentwürfe immer stärker in Frage gestellt.
Bildung und Erziehung (2. Mo. 35, 34)
Wie gut ein Mensch ausgebildet wird, trägt wesentlich zu seiner Urteils- und Entscheidungsfähigkeit bei. Bildungschancen und innerer Friede stehen in einem Zusammenhang.
Soziale Gerechtigkeit (2. Mo. 22, 20 -21)
Gott liegen Migranten und sozial Benachteiligte besonders am Herzen. Er steht auf der Seite derer, die sich für Gerechtigkeit einsetzen.
Glaubenssysteme u. Philosophien (2. Mose 20, 2-3)
Die Menschen unserer Stadt suchen wieder zunehmend nach Orientierung und nach Gott. Sie bekommen aber die vielfältigsten Angebote.
Finanzen (Luk. 16, 11-12)
Der Einsatz von Finanzen zeigt, was den Menschen wichtig ist. Wie sollte Geld verwandt werden?
Regierung (1. Tim. 2, 1)
Damit unsere Politiker gute und nachhaltige Entscheidungen zum Wohl der Menschen treffen, braucht es unser Gebet.
Medien und Unterhaltungskultur (Jes. 52, 7)
Medien prägen. Welche Werte werden unterstützt? Welche Werte werden bekämpft?
Geistliche Verantwortungsträger (Röm 1,8 )
Leiter prägen und tragen Verantwortung für viele Menschen. Was brauchen sie, um herausfordernd und visionär führen zu können?
Justiz (Ps. 33,5)
Gott möchte, dass gerechte Urteile und Gesetze erlassen werden, die das Leben schützen. Justiz und Justizvollzug beeinflussen die Gesellschaft mehr, als wir es oft wahrnehmen.
Weitere Anregungen dazu in Kerstin Hack, Draußen Beten.
Gebet
Autor: Harald Sommerfeld, 6. Dezember 2007, 4:32
Kerstin Kaie ist Christ und gegenwärtig als “Projektleiterin für die Imagekampagne SoldinerKiez” tätig - laut Berliner Sozialatlas der schlimmste Wohnbezirk der Haupstadt.
In der gestrigen Ausgabe der Berliner Zeitung schreibt Kerstin über ihre Erfahrungen als Anwohnerin und über ihre Liebe zu diesem Kiez: “Schön wohnen in Wedding.” Unter anderem berichtet sie von dem lebendigen Adventskalender “In 24 Tagen um die Welt“, einer Folge von 24 Veranstaltungen mit jeweils unterschiedlichem kulturellem Hintergrund.
Ihr Fazit:
Und wer sich einladen lässt in dieses schlechteste Gebiet der Stadt, der kann jeden Tag eine neue kulturelle Erfahrung machen und sich vor allem selbst ein Urteil bilden, wie gut es sich hier leben lässt. Schöne Wohnungen sind übrigens noch genug frei.
Berlin
Autor: Harald Sommerfeld, 5. Dezember 2007, 5:40
Eine evangelische Gemeinde wächst in wenigen Jahren um 4000 Mitglieder, die neu in die Kirche eintreten. Eine katholische Gemeinde erlebt sogar einen Zuwachs von 3100 auf 8500 Mitglieder. In einer anderen - eher nicht so großen - Gemeinde werden jährlich über 50 Taufen durchgeführt. Unter den Täuflingen sind 15 bis 20 Erwachsene. Gottesdienste werden von 200 bis zu 450 Leuten besucht. In der Presse beginnt man Notiz zu nehmen. Pfarrer, Soziologen und Journalisten sind gleichermaßen überrascht.
Diese Meldungen stammen nicht aus einem der christlichen Aufbruchgebiete dieser Erde, sondern aus einem Berliner Innenstadtbezirk. “Das Wunder von Prenzlauer Berg” überschrieb der Tagesspiegel vor einigen Wochen seinen Bericht. Nun ist dieses “Wunder” Titelstory des Veranstaltungsmagazins “tip Berlin” geworden. “Heimweh nach Gott” heißt der gut recherchierte und angenehm geschrieben Report.
Wie groß das “Wunder” ist, zeigen Vergleichsdaten der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid). Danach gingen die Mitgliederzahlen beider großen Kirchen in Berlin von 1994 bis 2004 dramatisch zurück (von 954.000 auf 745.000 in der Evangelischen bzw. von 342.000 auf 312.000 in der Katholischen Kirche). Nur noch 30 % der Berliner gehören einer Kirche an. Woher kommt der gegenläufige Trend im Prenzlauer Berg?
Verschiedene Faktoren werden genannt. Der Prenzlberg hat in den letzten Jahren einen demographischen Wandel erlebt. Aus Studenten sind “Bildungsbürger” geworden, die Familien gegründet haben. Andere junge Erwachsene mit guten Jobs sind aus dem Westen zugezogen. Vor allem der “Nestbau” scheint ein wichtiger Faktor bei der Rückbesinnung auf den Glauben zu sein. In einer christlichen Buchhandlung sind Bücher über Taufe und über Schutzengel gefragt. In seiner Ausgabe vom 4. November schreibt der Tagesspiegel (”Beispiel Prenzlauer Berg“):
Es sind vor allem junge Familien. Was wie ein singuläres Phänomen aussieht, könnte eine revolutionäre Erklärung haben. Im Sommer 2007 veröffentliche die US-Zeitschrift „Policy Review“ einen spektakulären Aufsatz (Mary Eberstadt: „How the West Really Lost God“) über den Zusammenhang zwischen Frömmigkeit und Fruchtbarkeit. Produziert der Glaube an Gott einen größeren Kinderreichtum? Oder ist es, so die These der Autorin, womöglich genau andersherum: Die Erfahrung von Geburt und Familie erzeugt eine gewisse Religionsaffinität?
… Sobald sie nun wieder Nachwuchs zeugen und Familien gründen, zieht es sie auch wieder zu Gott, wie derzeit exemplarisch in Prenzlauer Berg beobachtet werden kann.
Doch dies ist nur ein - wenn auch wichtiger Teil - der Erklärung. Es sind nicht nur “Wessis” und aufstrebende Berufseinsteiger, die den Weg in die Kirche finden. Es scheint, dass viele Menschen im Prenzlauer Berg wieder an ihre Erfahrungen in der DDR-Zeit anknüpfen. Wer sich damals zum christlichen Glauben bekannte und in der Kirche aktiv war, brauchte Mut und Konsequenz. Die Kirche spielte eine wichtige Rolle im demokratischen Widerstand gegen das Regime. Nach der Wende verlor sie für viele dieses Identifikationsmerkmal. Sie verlor einen großen Teil ihrer Anziehungskraft. Doch nun scheint es, dass viele sich auf ihre christlichen Wurzeln zurückbesinnen. Sie ziehen andere mit sich.
Dieser Trend berührt uns als Team von Gemeinsam für Berlin, weil unser Büro in diesem “Szenebezirk” liegt. In unserer Nachbarschaft beginnt geistlich etwas zu wachsen, das Hoffnungen weckt. Einige sind daran beteiligt, zu denen wir eine enge Beziehung haben - innerhalb und außerhalb der großen Kirchen. Der Bericht im “tip” erwähnt auch freikirchliche Gruppen wie das Familienzentrum Prenzlauer Berg, das Berlinprojekt (mit Gottesdiensten in einem alternativen Kino) und überkonfessionelle Einrichtungen wie die Christliche Freiwilligenagentur. Auch das ist erfreulich: der Autor strickt nicht mit heißer Nadel einen oberflächlichen Bericht, indem er ein paar Fakten googlet, ein einzelnes Szenario anschaulich beschreibt und zum Schluss noch ein oder zwei “Experten” befragt, sondern kennt sich aus und nimmt die Vielfalt kirchlichen Lebens im Bezirk wahr.
Es gäbe Weiteres zu berichten. Neben dem Boom institutioneller Kirchen, der in öffentlicher “Sichtbarkeit” stattfindet, gibt es Bewegungen an der Basis, die zu anderen Formen christlicher Präsenz führen. Christen ziehen in den Bezirk, lernen einander kennen, feiern Kneipengottesdienste oder beginnen auf andere Weise, in ihrem Umfeld wirksam zu werden.
2008 soll im Prenzlberg das erste evangelische Stadtkloster der Hauptstadt hinzukommen. Den Initiatioren war beim Erwerb des dafür vorgesehenen Gebäudes noch nicht bewusst, dass Gott im Prenzlauer Berg gerade “gute Karten hat”.
Vielleicht kann man aus all dem zwei Einsichten gewinnen.
1. Gott ist für Überraschungen gut. Auch wenn sich im Nachhinein soziologische und andere Erklärungen für den beschriebenen Trend finden lassen, so war er doch im Vorfeld nicht zu erwarten und nicht vorhersagbar. “Manchmal staunen wir selbst über den Zuwachs”, sagt einer der beteiligten Pfarrer. Unsere Zeit ist nicht die erste, in der der Untergang von Glaube und Kirche bereits hochgerechnet wurde. Aber in solchen Rechnungen gibt es immer einige Unbekannte, und “nach dem christlichen Glauben” war in der Geschichte schon manchmal “vor dem christlichen Glauben”.
2. Diejenigen Christen, die in Erwartung von “Erweckung” und “Aufbruch” leben (oder lebten), müssen ihre Vorstellungen von Transformation und geistlicher Erneuerung überdenken. Wenn ein Land ausgetrocknet ist, kann es auf verschiedene Art wieder fruchtbar werden - durch Regenfälle oder durch Grundwasser, mit dem es bewässert wird. Ein Wolkenbruch ist dramatischer, Grundwasser ist nachhaltiger. Es könnte sein, dass manche noch immer nach der Wolke Ausschau halten, die göttlichen Regen in unser Land bringt, während um sie her schon viel mehr wächst und blüht, als ihr himmelwärts gerichteter Blick sie wahrnehmen lässt.
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