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Die geistliche Lage in Berlin: Minderheit mit Potential

Autor: Axel Nehlsen, 23. September 2008, 9:21

1. Ob die Lage gut oder schlecht, düster oder hoffnungsvoll eingeschätzt wird, kommt wesentlich auf die Perspektive an - und darauf, welche Bevölkerungsgruppe, Milieu, Stadtteil wir anschauen. Sehe ich eher die zahlreichen geistlichen Probleme unserer Stadt, oder die vielfach vorhandenen Zeichen des Aufbruchs als Trendanzeiger - gemäß der bekannten Sesamstraßen-Unterscheidung: Ist das Glas nun halb leer oder halb voll?

2. Etwas Statistik: In Berlin gehören 60 % keiner Religion an, die weitaus größte Gruppe; 6,3% sind Muslime, weniger als 0,5% andere Weltreligionen inkl. Juden; 33,3 % sind nominelle Mitglieder christlicher Kirchen, darunter 21,5% evangelisch, 9,4% katholisch, 0,5% freikirchlich, 0,5% Migrationskirchen, 1,3% Orthodoxe. Berlin ist zweifelsfrei Missionsfeld mit einer Minderheit lebendiger Christen.

3. Aber welche Kriterien legen wir für deren geistlichen Zustand an? Zahl der Bekehrungen, Entwicklung der Kirchenmitgliedschaft, Gemeindewachtums-Indikatoren? Den Einfluss von Christen in der Politik oder etwa die Glaubensfeindlichkeit mancher Medien und die Ausbreitung der Atheismus-Literatur? Die religiöse Offenheit oder Resistenz der Jugend? Kein Kriterium taugt als einziges. Weder reine Statistik noch Verallgemeinerung von Einzelerfahrungen ergeben ein zutreffendes Gesamtbild. Wir müssen uns die Mühe machen, ein eigenes Bild zu gewinnen - bezogen auf das Milieu, die Zielgruppe, den Stadtteil/Kiez, die Altergruppe usw.

4. Dazu können nationale Analysen wie der Bertelsmann Religionsmonitor durchaus helfen, der eine erstaunlich hohe Affinität gerade von jungen Erwachsenen zu religiösen Fragen zeigte. Das heißt natürlich nicht sofort, dass geistliche Offenheit auch eine Zuwendung zum christlichen Glauben und Gemeindezugehörigkeit zur Folge hat.

5. Für Berlin gilt mindestens ebenso stark wie für andere westeuropäische Großstädte, dass sowohl die Säkularisierung als auch die religiöse Vielfalt zunehmen, denken wir nur an folgende Faktoren: weiter schwindende Kirchenmitgliederzahlen, moralischer Verfall, ethische Beliebigkeit, seelische Schäden vom Kindesalter an durch Pornografie und Liebesmangel (neues Buch von Bernd Siggelkow); aber auch Zunahme einer individuellen „Baumarkt-Religiosität“, Einfluss von Esoterik, Okkultismus, Fremdreligionen, Erstarken des Islamismus usw.

6. Positiv überrascht haben die Presseberichte aus dem letzten Advent über einen neuen Trend hin zu Kirchen und gelebtem Glauben bei jungen Erwachsenen im postmodernen Trendstadtteil Prenzlauer Berg (TIP-Titelgeschichte „Heimweh nach Gott - kaum zu glauben: die Kirchen in Prenzlauer Berg sind wieder voll“). Andere Medien haben ähnlich Erstaunliches berichtet: evangelische, katholische, freikirchliche Gemeinden und Neugründungen wachsen in wenigen Jahren teils um das Doppelte. Was frisch und authentisch ist, eben gelebter und relevanter Glaube an Jesus Christus, ist offenbar attraktiv.

7. Von evangelistischen Straßenkampagnen im Sommer 2008 („Summer 2go“ u. a.) wird berichtet, dass insbesondere junge Menschen in viel größerer Zahl eine Lebenswende hin zu Jesus Christus vollzogen als in früheren Jahren. Auch spontane Heilungen kommen häufiger vor. Ähnliches wird vereinzelt aus Gemeinden der Stadt berichtet.

8. Hoffnung macht auch, dass in unterschiedlichen kirchlichen Arbeitsformen und christlichen Lebensstilen neu Wert gelegt wird auf einen Glauben, der sich mitgestaltend und dienend in die Gesellschaft einmischt. So wird für andere die Lebenshilfe durch Glauben sichtbar und die Liebe Gottes erfahrbar. Wenn sich die Tausenden von ehrenamtlich tätigen Christen nicht nur binnenkirchlich einsetzen, sondern für die Menschen um sie herum, für ihren Kiez, die Stadt, die sozialen und politischen Herausforderungen, dann sind sie eine Kraft, die die Gesellschaft maßgeblich beeinflussen und verändern kann, eine Minderheit mit Potential.

9. Zur geistlichen Lage gehört auch die Beobachtung, dass das erwartungsvolle Gebet für die Veränderung der Herzen und Verhältnisse in den letzten Jahren bedeutend zunimmt. Nach den Verheißungen von Jeremia und Jesus können wir daher - zusammen mit dem missionarischen und gesellschaftlichen Engagement der Christen - eine tatsächliche schrittweise Veränderung unserer Stadt hin zum Wohl der Stadt erwarten.

10. Die große interkulturelle Vielfalt des Leibes Christi in unserer Stadt - d. h. Christen aus verschiedenen Kulturen, Nationen, Konfessionen und Generationen leben versöhnt und in gegenseitiger Ergänzung miteinander - ist eine große Chance für die Glaubwürdigkeit und Ausstrahlung des Jesus-Glaubens, wo sie tatsächlich gelebt wird.

11. Die Tatsache der Gottesferne oder Gottvergessenheit weiter Schichten unserer Bevölkerung einerseits und der positiven Anzeichen von neuer Offenheit für einen lebensdienlichen christlichen Glauben andererseits ergeben als Gesamtbild: Die geistliche Schere geht weiter auseinander - mehr Gleichgültigkeit, Gottlosigkeit oder Atheismus einerseits, mehr Suchen nach Gott und Finden von überzeugend gelebten Formen des Glaubens andererseits.

12. Zusammen gesehen mit der wachsenden Bereitschaft der Christen zu intensivem Gebet, zum leidenschaftlichen und liebevollen Einsatz für die Menschen, zum selbstverständlicher werdenden »Hineinleben« in die Gesellschaft nach der Art von Jesus bedeutet das: Gott hat für uns und die Stadt Zukunft und Hoffnung. Die geistliche Lage ist ernst, aber mit Zuversicht können wir auch erwarten, dass „die Zeichen des Reiches Gottes in der Stadt zunehmen“.

Jeremia 29,7 und 11: “Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN! Denn wenn es ihr wohl geht, so geht es auch euch wohl. Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren.”

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Berlin

Prof. Johannes Reimer über Gesellschaftstransformation

Autor: GfB, 14. September 2008, 21:03

Im April fand der 1. Marburger Studientag Gesellschaftstransformation statt. Neben einer Reihe von Seminaren gab es zwei Hauptvorträge von Prof. Johannes Reimer, die auf Emergent Deutschland als Podcast veröffentlicht wurden.

Teil 1: Die Wiederentdeckung des gesellschaftlichen Auftrags für die Gemeinde (biblische Grundlagen)

Teil 2: Wie kann die Gemeinde Salz und Licht sein? (Praxisanwendungen)

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Audio, Transformation

“Zählt euren Segen!”

Autor: GfB, 5. September 2008, 18:56

Säkularisten auf beiden Seiten des Atlantiks sind für die Trennung von Kirche und Staat, von Religion und Politik eingetreten und kämpften dafür, dass für auf Glauben basierende Projekte keine öffentliche Mittel ausgegeben wurden. Aber eine in Auftrag von Rotterdams Stadtrat kürzlich erfolgte Studie deckt auf: Wenn die Kirchen ihre freiwilligen Aktivitäten sofort einstellen würden, käme es zum Staatsbankrott. Kirchen und Gemeinden bringen der Stadt jährlich Einsparungen von etwa 130 Millionen Euro und bewirken einen großen sozialen Zusammenhalt und Integration.

Für ihre Studie nahmen die Forscher der Universität Nijmegen mit 272 Kirchen in Rotterdam Kontakt auf. Dabei entdeckten sie, dass die evangelikalen Kirchen mit 36% die größte Gruppe sind. Die protestantischen Kirchen der Niederlanden (PKN) machten 18% der Studie aus, 13% waren römisch-katholisch. Den Rest bildeten ökumenische Kirchen. Während in einigen europäischen Ländern wie Frankreich, Polen und Belgien evangelikale Gemeinden immer noch von den Regierung als „Sekten“ bezeichnet werden, geht aus der holländischen Studie klar hervor, dass diese Gemeinschaften sehr schnell zum „Mainstream“ werden, welche insbesondere durch einwanderende evangelikale Christen wachsen.

Entgegen der Erwartungen der Säkularisten ging die Zahl der Kirchenzugehörigen nicht zurück. Bei einer Anzahl von etwa 200˙000 ist jeder dritte Einwohner Rotterdams Mitglied einer Kirche. Jeder vierte besucht regelmäßig einen Gottesdienst, das sind 50˙000 oder 9% der Einwohner. Die Hälfte dieser regulären Kirchgänger, etwa 25˙000, sind aktive ehrenamtliche Mitarbeiter, die meisten investieren acht oder mehr Stunden pro Woche in Freiwilligenarbeit. Diese Aktivitäten umfassen interkulturelle und interreligiöse Programme, Weiterbildungs- und Schulungsangebote und soziale Unterstützungs- und Hilfsprogramme. Freiwillige bieten finanzielle Nothilfe an, organisieren Mittagstische und mobile Essensversorgung, stehen den Trauernden bei, helfen bei Hausaufgaben, lehren Fremdsprachen und geben PC Lektionen, unterstützen Gewaltopfer, Prostituierte, Asylanten, Vertriebene, Heimatlose und Gefangene und vieles mehr.

Die Forscher fanden auch heraus, dass Kirchen für Ausländer genauso viel soziales Engagement zeigen wie für Einheimische. Diese breit umfassende, weder bürokratische noch diskriminierende soziale Hilfe ist bis heute weitgehend von den öffentlichen Ämtern ignoriert worden. Nach Angaben der Forscher der Universität von Nijmegen ist es allerhöchste Zeit für die Stadtväter Rotterdams (und andernorts), den städtischen Kirchen und Gemeinden endlich Anerkennung und konkrete finanzielle Unterstützung für diese enorme Arbeit zukommen zu lassen. Dies wird auch klipp und klar im Titel der Studie formuliert: « Zählt euren Segen!»

Quelle: Jeff Fountain, Hope for Europe; zitiert nach Joel News 30 vom 5. September 2008

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Berichte, Forschung, Gesellschaft, Good News

Interkulturelles Familien-Sommerfest

Autor: Harald Sommerfeld, 1. September 2008, 19:36

„Wir wollen gemeinsam feiern und uns unsere Geschichten erzählen!“ Unter diesem Motto stand ein interkulturelles Familienfest im wunderschönen Garten des Christus-Treffs in Berlin-Treptow. Etwa 60 Erwachsene und eine Schar Kinder trafen sich am vergangenen Samstag zu einem fröhlichen Familienfest.

Kurdische Christen, Messianische Juden, Geschwister aus verschiedenen Ländern Afrikas, Indien und Europas feierten zusammen mit deutschen Christen ein fröhliches Fest. Bei Gegrilltem und Spezialitäten aus verschiedenen Ländern wurden alte Bekanntschaften erneuert und neue geschlossen. Ein Riesentrampolin fand guten Anklang – nicht nur bei den Kindern …!

Zum Abschluss des Tages trafen sich alle in der Kapelle, um gemeinsam Gott zu loben und miteinander zu beten. Ein Höhepunkt war ein Anbetungslied von einer madegassischen Gruppe, die auch sonst die Anbetung leiteten, in ihrer Muttersprache.

Die Teilnehmer waren sich einige, dass es ein gelungenes Fest war, das unbedingt auch im nächsten Jahr wiederholt werden soll. Veranstalter war das Forum Interkulturelle Beziehungen von Gemeinsam für Berlin.

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Über uns

Gemeinsam für Berlin e.V. ist eine Initiative im Großraum Berlin mit dem Ziel, alle gesellschaftlichen Bereiche der Stadt mit dem Evangelium von Jesus Christus zu erreichen.

Wie auf dem Transforum Berlin, unserer in unregelmäßigen Abständen stattfindenden Konferenz für City-Reaching, geht es auf diesem Blog um das Thema "Das Reich Gottes und unsere Städte".