Viele Kulturen - ein Glaube
Autor: Harald Sommerfeld, 25. Mai 2009, 11:09


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Interkulturelles, Veranstaltungen
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Interkulturelles, Veranstaltungen
Der 1. Mai in Berlin war dieses Jahr von mehr Gewalt gekennzeichnet als in den Vorjahren. Mich hat das sehr bewegt. Seit dem 1. Mai schlafe ich schlechter als sonst. Immer wieder wache ich auf und denke nach. Weniger über die miterlebte Gewalt als vielmehr darüber, wie ähnliche Gewalt in Zukunft besser verhindert und eingedämmt werden kann.
Gestern erhielt ich eine Einladung von einem jungen Mann, der eine neue Gemeinde in Kreuzberg gründen möchte. Ich habe mir heute Nacht Gedanken dazu gemacht, wie eine Gemeinde aussehen könnte, die für Kreuzberg relevant ist.
1. Sie ist politisch
Das Wort politisch kommt vom griechischen “polis” d. h. Stadt bzw. “polites” d. h. Stadtbewohner/Bürger. Damit meine ich nicht unbedingt parteipolitisch, auch wenn die Aufsplitterung in Parteien die Form ist, in der wir hierzulande und heutzutage politisches Handeln häufig praktizieren. Ich meine vielmehr im guten Sinne “bürgerlich”. Als Bürger der Stadt für das Wohl der Stadt engagiert.
Gott ist hier das Beste Beispiel für politisches Engagement: “So sehr hat Gott die Welt d. h. auch die Städte, geliebt, dass er aktiv wurde und Jesus sandte.” (Johannes 3, 16)
2. Sie ist in Kontakt mit den Bedürfnissen der Menschen
Von Jesus lesen wir, dass er konkret auf die Bedürfnisse der Menschen einging. Er spaltete sie nicht in wichtigere “geistliche” und weniger wichtige praktische Bedürfnisse auf, sondern begegnete allen Bedürfnissen, die ihm begegneten: Er heilte Kranke, befreite Menschen aus dämonischen Qualen und predigte und lebte das Evangelium.
Für Kreuzberg könnte das bedeuten, dass eine Gemeinde sich der geistlichen Bedürfnisse der Menschen annimmt - in Kreuzberg gibt es eine Vielzahl von weltanschaulichen und religiösen Angeboten - nur von Jesus ist bisher nur wenig zu entdecken.
Es bedeutet aber auch, dass sie Wege sucht, den Frieden und das Miteinander im Bezirk zu fördern, sozial schwachen Familien unterstützt, Erziehungshilfe gibt, Lebensperspektiven für Jugendliche mit Migrationshintergrund entwickeln hilft…
3. Sie ist prozessorientiert
Veränderungen geschehen nicht über Nacht. Vor allem dann nicht, wenn Menschen daran beteiligt sind. In den Evangelien verwendet Jesus viele Bilder und Vergleiche, die beschreiben, dass sich sein Reich (= die Anwesenheit all dessen, wofür er steht) prozesshaft ausbreitet: wie Hefe, wie ein Baum der wächst usw. Er verkündet keine schnellen “Wundermittel”, sondern weist auf den Prozess der Liebe hin, der Schritt für Schritt alles durchdringt. Gemeinde, die relevant ist, hat im Blick, dass Dinge ihre Zeit brauchen
4. Sie ist partizipartorisch
Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei - oder eigentlich hat es sie in Gottes Familie noch nie wirklich gegeben. Eine Gemeinde ist umso stärker, je mehr sie sich als Organismus versteht und organisiert, in dem die einzelnen Teile einander befruchten und inspirieren - weniger als (hierarchische) Organisation, in der nur einer oder wenige das Sagen haben. Vom Reichtum vieler Mitglieder bereichert zu werden und zu lernen ist auch an Orten wie Kreuzberg eine Herausforderung, aber auch Inspiration für die, die organisch gelebtes Miteinander erleben.
5. Sie hat im Blick, wer Jesus ist
Inmitten einer keineswegs kuscheligen Situation erinnert Paulus die Christen in Kollossä daran, wer Jesus ist. (Kolosserbrief Kapitel 1, 15-20)
Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm. Und er ist das Haupt des Leibes, nämlich der Gemeinde. Er ist der Anfang, der Erstgeborene von den Toten, damit er in allem der Erste sei. Denn es hat Gott wohlgefallen, dass in ihm alle Fülle wohnen sollte und er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.
Eine Gemeinde, die relevant für ihre Umgebung sein will, hat die Macht, Herrlichkeit und Liebe Christi im Blick und sieht sich als Teil seines Körpers (altdeutsch: Leib Christi), um genau dies in der Welt um sich herum auszubreiten.
Zuerst veröffentlich bei Kerstin pur am 50.05.2009
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