Orientalische Entdeckungstour beim Transforum
Autor: Harald Sommerfeld, 26. März 2010, 21:03
Eine etwas andere Art von Workshop erlebten 16 Teilnehmer des diesjährigen Transforum Berlin. Nicht im Klassenzimmer über Arabische Kultur und ihre Menschen reden, sondern hinaus auf die Sonnenallee im Neuköllner Kiez. Dieser Straße, die an der Ecke Herrmannsplatz beginnt wird von Insidern „Klein Beirut“ oder auch „Gaza Streifen“ genannt.
Die Gruppe war bunt gemischt mit Gästen aus Basel, die eigens für das Transforum angereist sind, aber auch Berliner aus Ost und West waren dabei um mehr über die Arabische Kultur und ihre Menschen zu erfahren. Unter der Gruppe waren auch 5 Pastoren davon einer aus Amerika.
Integration mal andersherum ist das Ziel von Frau Arif, einer Irakerin mit deutschem Pass die seit 1996 in Berlin lebt und unsere Gruppe fachkundig begleitete. Bei der
Führung „integriere ich die Deutschen dann in die arabische Welt“ erklärt sie uns. Viele Deutsche haben Berührungsängste und würden nie ein arabisches Geschäft betreten. Doch unter fachkundiger Führung gibt es auch bei unserer Gruppe keine Scheu.![]()
Im Friseursalon „Goldene Finger“ wird uns von der Besitzerin erklärt, wie den Damen die Haare mit einer Schur fachmännisch ausgezupft werden. In der El-Salam Fleischerei erklärt Frau Arif den Unterschied zwischen „Halal“ und „Haram“, und dazwischen gibt es immer wieder kleine Geschichten vom Zusammenleben der Deutschen mit den arabischen Migranten. Angeblich gibt es mehr als 40 000, die aus mehr als 20 Ländern kommen.
Im „Cafe Umkalthum“ wird uns vom Besitzer und seinem Sohn die Zubereitung einer „Shisha“ der arabischen Wasserpfeife gezeigt. Natürlich dürfen die Teilnehmer auch die unterschiedlichen Tabaksorten „beriechen“. Ob die blubbernde Wasserpfeife mit Apfelgeschmack oder Kirsch besser schmeckt können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, das kommt später. Mittlerweile, nach all den interessanten Düften und Gerüchen, schaffen es einige nicht mehr, auf das vorbestellte arabische Mittagessen zu warten und verwöhnen sich beim Bäcker mit süßen Baklavas und anderen Spezialitäten.
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Ob im Haushaltswarenladen oder im Libanesischen Souvenirladen, Frau Arif zeigt uns neben dem Arabischen Kaffeeservice, Orientalischen Musikinstrumente, wie die „Oud“, auch arabische Bücher und den Koran. Mit ihrem Charme und der Routine von vielen Kiezspaziergängen beantwortet sie alle unsere Fragen.
Zum Schluss erreichen wir endlich ein Arabisches Café, wo der Besitzer schon auf uns wartete. Unterm roten Baldachin und auf gepolsterten Kissen sitzend schauen wir Frau Arif zu, wie sie die unterschiedlichsten Spezialitäten auspackt und uns erklärt, wie sie heißen und zubereitet werden. Zum Nachtisch gibt es endlich, den von vielen Teilnehmern ersehnten, arabischen Kaffee mit verschiedenen Baklavas, und jeder der will kann mal an einer Shisha rauchen. Die zweieinhalb Stunden vergingen wie im Flug, und wir mussten uns von Frau Arif verabschieden, da unsere nächster und letzter Stopp sich nicht mehr verschieben ließ.
In der Iranischen Gemeinde, eine U-Bahn Station weiter, erwarteten uns Pastor Sepehri, der Dipl. Sozialpädagoge Azis und Mohammad. Diese Gemeinde, die seit mehr als 10 Jahren in den Räume der Ev. Ref. Bethlehemsgemeinde unterkommen konnte, ist ein wichtiger Ort der Begegnung und Hilfe für viele iranische, kurdische und afghanische Flüchtlinge. Durch die Rechtsberatung und praktische Hilfe sowie auch durch die hier durchgeführten Glaubenskurse hat diese Gemeinde vielen Menschen geholfen, eine neue Heimat zu finden.
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Mohammad, der verheiratet ist, dessen Familie aber immer noch im Iran lebt, erzählt uns seine Geschichte, wie er dem Islamischen Glauben absagte und jetzt sein Leben mit Jesus lebt. Man spürt es ihm ab, dass er darunter leidet, dass eine Familie nicht hier sein kann, doch seine Augen strahlen Freude und Frieden aus. Azis erzählt von den Schwierigkeiten mit den deutschen Behörden und von vielen Einzelschicksalen der Asylanten, und dazwischen erklärt Pastor Sepehri immer wieder den geistlichen Bezug zur Gemeinde, aber auch die sehr gute Zusammenarbeit mit der deutschen Bethlehemsgemeinde.
Unsre vereinbarte Zeit ist längst abgelaufen, doch noch immer habe die Besucher Fragen über das Leben der Iraner in Berlin. Es ist Zeit zum Aufbruch, doch ohne dass wir noch den obligatorischen Tee und Gebäck zu uns nehmen, dürfen wir nicht gehen.
Auf der Rückfahrt in der U-Bahn kommt ein Pastor auf mich zu und meinte: „ Ich glaube, die haben sich riesig gefreut, dass wir zu ihnen kamen!“ Diese Bemerkung war für mich Grund genug, dass der Workshop sich gelohnt hat. Ja, wir brauchen sie, unsere Geschwister aus anderen Kulturen, denn viele notwendige Aufgaben, wie die Betreuung und Hilfe für Asylanten können wir nicht alleine machen, und es wurde deutlich, dass es auch unter den Migrantenchristen viele engagierte Menschen gibt, die mit Freude der Stadt Berlin und ihren Menschen dienen.
Thomas Hieber, Koordinator des Forums für Interkulturelle Beziehungen.
(zuerst veröffentlicht auf www.fikb.de)
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