Autor: Harald Sommerfeld, 30. Januar 2011, 9:38
Am 18./19. Februar findet in der 4. Studientag Gesellschaftstransformation statt. Infos gibt´s im Flyer, auf der Webseite oder bei Facebook.

Veranstaltungen
Autor: GfB, 27. Januar 2011, 14:23
Den folgenden Beitrag schrieb Pastor Peter Arthur, Mitglied des “Forum Interkulturelle Beziehungen” bei Gemeinsam für Berlin und Leiter einer internationalen Gemeinde (Akebulan Global Mission) für eine Diskussionsrunde beim Fachausschuss Internationales der Berliner SPD.
Teilhabe von Migrant/Innen an Bildung und Beschäftigung als Aspekt von Black Matters
Gesetzesgrundlagen in Anwendung
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Deutschland sieht vor, dass Menschen mit Migrationshintergrund bei Ausbildung und Arbeit die gleichen Chancen wie deutsche Mitbürger haben sollen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ADS hilft Menschen, die Benachteiligungen erfahren haben bzw. setzt sich für die Umsetzung des AGGs ein. Theoretisch hört es sich so an, als ginge man in Deutschland sehr souverän mit diesem Thema um und als hätten Migranten aus dem nichteuropäischen Ausland in der Regel fast die gleichen Chancen wie Deutsche oder Europäer. Leider kann ich das aus meiner Sicht so nicht bestätigen. Auch was der Fachausschuss an Ergebnissen seiner Arbeit anführt, ist lobenswert, aber leider ist in der Praxis nicht viel davon zu sehen.
Chancen auf dem Arbeitsmarkt
Sehr oft höre ich, dass Afrikaner sich um eine Arbeitsstelle bewerben und keine Antwort erhalten. Wenn sie dann z.B. telefonisch nachfragen, erhalten sie eine Absage, aber nur mündlich. Afrikanische Uni-Absolventen haben es schwer, hier die geforderte Stelle in ihrem Fach zu bekommen, weil europäische Bewerber ihnen gegenüber vorgezogen werden. Wenn sie die Stelle doch erhalten, werden sie oft von Arbeitskollegen schief angesehen, die ihnen die Position nicht gönnen. Tatsächlich verlassen etwa 90% aller afrikanischen Studenten Deutschland kurz vor oder nach ihrem Abschluss in Richtung USA, Kanada oder England, weil sie hier keine Zukunft für sich sehen. Dadurch geht Deutschland gut ausgebildetes Fachpersonal, das eigentlich gesucht wird, verloren. Diejenigen, die bleiben, haben hier meistens eine Familie gegründet. Um für sich und ihre Kinder zu sorgen, arbeiten sie dann z.B. trotz ihrer hohen Qualifikation im Reinigungsdienst o.ä., unter Umständen in derselben Uni, an der sie vorher studierten. Afrikaner, die in Deutschland z.B. Politikwissenschaften studieren, haben kaum eine reale Chance, diesen Beruf hier auszuüben.
Ungleichbehandlung in der Arbeitswelt
Ich selbst wurde früher als Offizier auf einem Schiff schlechter bezahlt als europäische Mitarbeiter niedrigeren Ranges. Wenn sich Afrikaner in Deutschland selbstständig machen, erhalten sie oft nur wenige Aufträge aufgrund ihres afrikanischen Namens oder wenn potentielle Kunden ihre Hautfarbe sehen. Ein guter Freund von mir konnte deswegen seine Reinigungsfirma nicht halten. Jetzt betreibt er einen ghanaischen Versandservice mit ghanaischen Kunden. Ein anderer Freund von mir mit Abschluss als Dipl.- Kaufmann führte erst eine Umzugsfirma in Hamburg, was sich schwierig gestaltete. Heute lebt und arbeitet er in Ghana, wo er sehr erfolgreich auf einem großen Areal Steine für Haus- und Straßenbau produziert. Wenn afrikanische Mitbürger z.B. in der Altenpflege arbeiten, passiert es oft, dass sie von den deutschen Patienten verbal angegriffen und diskriminiert werden. Eine Frau in unserer Gemeinde arbeitet seit mehreren Jahren an der Kasse einer Uni-Mensa. Als sie erst nur Zeitverträge hatte, ließ man sie in Ruhe. Seitdem sie aber einen festen Vertrag bekommen hat, schikanieren die Kollegen sie, so oft sie Gelegenheit dazu haben.
Fehlende oder zu geringe Anerkennung von Bildung
und ihre Auswirkung auf die nächste Generation
Was die Bildung betrifft, ist es wirklich bedauernswert, dass hier die Qualifikationen, die Migranten aus ihren Heimatländern mitbringen, sehr selten anerkannt werden, obwohl Fachkräfte gesucht werden. An den Europaschulen in Berlin wandern die ausländischen Lehrer, durch die die Zweisprachigkeit erst ermöglicht wird, wegen zu geringer Bezahlung ab. Gerade Lehrer, die Migranten sind, könnten eine große Vorbildfunktion auf die Migrantenkinder ausüben. Je mehr die Eltern von Migrantenkindern auf dem deutschen Arbeitsmarkt reale Chancen mit ihren hier oder in der Heimat absolvierten Abschlüssen erhalten, umso mehr können ihre Kinder auch motiviert werden, sich gut ausbilden zu lassen. Wenn diese Kinder aber bereits in der Schule von den deutschen Lehrern diskriminiert werden- was erwarten wir dann eigentlich noch von ihnen?
Was kann man tun?
Erstens soll natürlich weiter an der Verbesserung der Gesetze und an deren Umsetzung gearbeitet werden. Zweitens könnte man z.B. Projekte verstärken, in denen afrikanische Migranten, die schon lange hier leben und sich erfolgreich integriert haben, denen, die neu hierher kommen, bei ihrer Integration, dem Spracherwerb und der Arbeitssuche oder der Vermittlung von Praktika und Ausbildungsmöglichkeiten helfen und dafür bezahlt werden. Es wäre auch denkbar, die Arbeit von afrikanischen Pastoren, die in der Regel ehrenamtlich erfolgt und ca. 90% der in Berlin lebenden Afrikaner erreicht, in dieser Weise zu sehen und anzuerkennen. Die Pastoren könnten z.B. auch die meisten der etwa 10.000 Afrikaner mit deutschem Pass in Berlin erreichen, die ihr Recht zu wählen bisher kaum wahrnehmen. Sie könnten sie motivieren, sich zu beteiligen und für ihre und die Rechte ihrer Kinder einzutreten. Für die Migrantenkinder ist es wichtig, dass sie reale Chancen auf gute Arbeit hier erhalten. Wenn wirklich z.B. bei der Polizei oder bei der Einstellung von Lehrern in naher Zukunft interkulturelle Kompetenz und Mehrsprachigkeit nicht nur anerkannt, sondern ausdrücklich gewünscht wird, wäre das sehr hilfreich. Allgemein sollte noch stärker an Strategien gearbeitet werden, um die sehr gut geplanten Ziele des Fachausschusses zu realisieren.
Mit herzlichem Dank an den Fachausschuss Internationales der Berliner SPD
Workshop Wissen-Kultur-Erinnerung im ABI am 14.01.2011
im Namen des RACIBB e.V.
Pastor Peter Arthur aus Ghana
Migranten